Studie: Be a driver, not a passenger

Stefan Heng, Thomas Meyer, Antje Stobbe: Be a driver, not a passenger: Implications of Web 2.0 for financial institutions, Deutsche Bank Research, Frankfurt, 31. Juli 2007.

Eine deutsche Zusammenfassung dieser englisch-sprachigen Studie findet man bei silicon.de. Einige Aussagen daraus:

Die Anbieter von Finanzdienstleistungen müssen sich auf eine neue Ära der Kommunikation einstellen und können diese zu ihrem Vorteil nutzen.

Speziell die genannte Zielgruppe könne Teile des Geschäftsmodells an das Web 2.0 verlieren, wie es von DB Research hieß. Den Dienstleistern könnten in der Masse große Geschäftsbereiche abhanden kommen, wenn ihre Mittlerrolle beispielsweise in Teilen des Privatkundenbereichs, bei so genannten Standardprodukten, nicht mehr als zwingend notwendig erachtet wird. Nutzer vertrauen anderen Nutzern oft mehr als professionellen Anbietern und erhielten durch Social Websites die Möglichkeit, ohne Mittelsmann einfache Finanzgeschäfte zu tätigen, wie Kredite aufzunehmen und ähnliches. Per-to-Peer (P2P) in Kreditvergabe-Plattformen zieht Nutzer an, die sich direkt mit dem passenden Anbieter verbinden lassen wollen. Beispiele smava.de, prosper.com, zopa.com.

Innovative Bezahlsysteme werden in die originäre Welt der Institute und Provider einbrechen. Auch hier gelte etwas, was den Web-2.0-Bereich vor der Bankenwelt auszeichne: der Community-Aspekt. So vertrauen viele Nutzer Kundenberichten und privaten Postings mittlerweile mehr als offiziellen Informationen.

Web 2.0 hat in der Geschäftswelt eine externe und eine interne Seite. So kann ein Blog entweder nützliche und gesicherte Informationen enthalten oder schädliches Geschwätz. Auch Financial Services Provider würden sich demnach mehr und mehr bewusst, dass sie viel mehr solche Werkzeuge anbieten müssen. Das internationale Marktforschungsunternehmen Gartner Research geht immerhin davon aus, dass bis zum Jahr 2012 drei Viertel der Anbieter finanzieller Dienstleistungen echte Social Networking Tools anbieten wird.

Finanzdienstleister sind durch das Internet heutzutage viel mehr auf dem Präsentierteller, ihre Konditionen und Preise werden transparenter und vergleichbarer, die Margen geringer und die Risiken bezüglich des guten Rufs werden größer.

Dienstleister und Institute können nur gegensteuern, indem sie von sich aus auf Web 2.0 setzen und sich möglichst schnell und breit als innovatives Unternehmen präsentieren. Derzeit können Anbieter, die die neuen Werkzeuge in ihrer ganzen Breite einsetzen, sogar noch echte First-Mover-Vorteile in Deutschland mitnehmen.

Folgende Regeln sind zu beachten:

  1. Monitoring the Web 2.0 sphere as the new communications arena: Firmen müssen die verschiedenen Kommunikationsebenen im Web 2.0 professionell beobachten und auf Möglichkeiten hin untersuchen, welche Werkzeuge geschäftlich eingesetzt werden können. Sie müssen sich selbst als Firma im Social Web und ihre Web-2.0-Angebote ebenso fest im Griff haben wie ihre traditionelle Pressearbeit, das heißt auch, dafür extra Mitarbeiter abzustellen und Verantwortlichkeiten für sie aufzubauen und einzuhalten.
  2. An explicit Web 2.0 policy for employees is necessary: Für die internen Einsatzmöglichkeiten bedarf es einer strikten Web-2.0-Policy, die die Firma schützt - ähnlich der Security-Policy, die jedes Unternehmen haben muss. Mitarbeiter benötigen Regeln, wie sie Beiträge im Sinne des Unternehmens zu verfassen haben.
  3. Web 2.0 is a powerful instrument for internal communication: Die interne Kommunikation kann am meisten und am schnellsten von Web 2.0 profitieren, beispielsweise für Wissensteilung oder für den Dialog zwischen Board und Mitarbeitern und sollte deshalb als erster Einsatzort gewählt werden. Interne Blogs und Wikis bieten schnelles Feedback und fokussierten Zugang zu relevanten Themen. Interne Anwendungen können auch als Test für den externen Einsatz gestartet werden. Das wichtigste ist: Erfahrungen zu sammeln.
  4. Web 2.0 as a channel for external communication for a firm: Beim externen Einsatz sollten sich die Firmen und eventuell beteiligte Partner an ein strenges Regelwerk halten. Due Diligence der Tools und der Bedingungen sollten dem Einsatz vorausgehen. Ein verantwortlicher Umgang und klare Grenzen von Web 2.0 im Geschäftsalltag müssen gewährleistet sein.

Die Autoren der Studie empfehlen: Das Web 2.0 lasse sich nicht aufhalten und die ersten in der Branche spüren schon die wachsende Konkurrenz mit Finanz-Communities. Dennoch muss jeder Web 2.0 Auftritt einer Institution authentisch sein und konsistent mit Marke und Unternehmenskultur übereinstimmen.

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